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Allemand, concours commun du Réseau ScPo

Zwei Steuererklärungen statt einer

Compréhension puis essai, au format du concours commun : 1 h, coefficient 2.

Le sujet

Zwei Steuererklärungen statt einer

Am 8. März 2026 haben die Schweizer Stimmberechtigten[1] eine Reform angenommen, über die seit Jahren gestritten wurde: Ehepaare sollen künftig wie unverheiratete Paare besteuert werden. Jede Ehefrau und jeder Ehemann wird dann eine eigene Steuererklärung ausfüllen. Mit 54,23 Prozent Ja-Stimmen war das Ergebnis klar, aber keineswegs überwältigend.

Bisher werden in der Schweiz die Einkommen von Eheleuten zusammengerechnet. Weil der Steuersatz mit dem Einkommen steigt, können Ehepaare mit zwei Einkommen mehr Steuern zahlen als ein unverheiratetes Paar, das gleich viel verdient. Diese sogenannte Heiratsstrafe soll nun verschwinden: Künftig werden Löhne und Renten einzeln besteuert, beim Bund ebenso wie in den Kantonen und Gemeinden. Die Kantone haben bis spätestens zum 1. Januar 2032 Zeit, ihre Gesetze und ihre Verwaltung anzupassen.

Bemerkenswert war schon der Weg zur Urne. Gegen das Gesetz, das das Parlament im Juni 2025 beschlossen hatte, ergriffen neben einem überparteilichen Komitee auch zehn Kantone das Referendum[2], darunter St. Gallen, Thurgau und das Wallis. Ein solches Kantonsreferendum, für das sich mindestens acht Kantone zusammenschließen müssen, war zuvor erst ein einziges Mal zustande gekommen: im Jahr 2003, gegen ein Steuerpaket des Bundes.

Bundesrat und Parlament versprechen sich von der Reform vor allem mehr Erwerbstätigkeit. Ihr Argument: Zweitverdienende, die heute ihr Pensum[3] erhöhen, sehen einen großen Teil ihres zusätzlichen Lohns in der gemeinsamen Steuerrechnung verschwinden. Werden beide Partner einzeln besteuert, lohnt sich die Mehrarbeit eher. Finanzministerin Karin Keller-Sutter warb im Januar 2026 mit dem Argument, die Reform bringe der Wirtschaft mehr Arbeitskräfte. Die Befürworter sehen darin außerdem einen Schritt zur Gleichstellung von Frau und Mann. Billig ist das nicht: Die Eidgenössische Steuerverwaltung rechnet bei der direkten Bundessteuer mit Mindereinnahmen[4] von rund 630 Millionen Franken.

Die Gegner bemängeln vor allem zweierlei. Erstens benachteilige die Reform Familien, in denen nur ein Elternteil erwerbstätig ist. Zweitens bedeute sie für Kantone und Gemeinden einen enormen Aufwand: Rund 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen müssten bearbeitet werden.

Hinter der Steuerfrage steht ein Gesellschaftsbild. Das alte System betrachtete die Ehe als wirtschaftliche Einheit; das neue sieht in jedem Partner eine eigenständige Person mit eigenem Einkommen. Dass eine Mehrheit diesem Wandel zugestimmt hat, eine Minderheit von fast 46 Prozent aber nicht, sagt viel über die heutige Schweiz. Der Streit über das richtige Familienmodell ist mit der Abstimmung nicht beendet.

  1. [1] die Stimmberechtigten (Pl.): les citoyens qui ont le droit de vote
  2. [2] das Referendum ergreifen: demander qu'une loi votée par le Parlement soit soumise au vote du peuple
  3. [3] das Pensum (en Suisse): le taux d'occupation, la part d'un temps plein que l'on travaille
  4. [4] die Mindereinnahmen (Pl.): le manque à gagner, la baisse des recettes

Texte rédigé le 12 octobre 2026 pour l'entraînement par test-concours-iep.fr, au format d'un article de presse ; il ne reproduit aucun article publié.

I. Compréhension écrite (6 points)

Beantworten Sie folgende Fragen mit eigenen Worten.

  1. 1. Was ist das Thema des Textes? (1 point)
  2. 2. Was versteht man unter der „Heiratsstrafe“, und wie soll die Reform sie beseitigen? (2 points)
  3. 3. Warum war schon der Weg zu dieser Abstimmung bemerkenswert? (1 point)
  4. 4. Wer ist mit den „Zweitverdienenden“ gemeint (Absatz 4)? Finden Sie ein Synonym für „bemängeln“ (Absatz 5). (2 points)

II. Expression écrite (14 points)

Sollte der Staat Ehepaare bei den Steuern anders behandeln als unverheiratete Paare? Begründen Sie Ihre Meinung und stützen Sie sich auf Beispiele aus der Schweiz, aus Deutschland oder aus anderen Ländern.

300 mots, plus ou moins 10 %.

Le corrigé

Le corrigé établi par le site (éléments attendus et réponses modèles pour chaque question, plan et essai modèle, lexique, erreurs à éviter) est réservé aux accès payants (un Pass ou une formule), hors essai gratuit.

Le Réseau ScPo écrit que ses établissements « ne conseillent aucune “prépa” ». Le sujet reste en accès libre : vous pouvez le composer sans le corrigé.

Sujet et corrigé rédigés par le site. Dernière relecture le 12 octobre 2026. Sources consultées :